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Zwischen Corona und Campus-Ausbau


Die Bühlschule war ein wichtiger Schwerpunkt beim jüngsten Austausch zwischen Oberbürgermeister Dieter Henle und dem SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Stoch. Zusammen mit Bühlschul-Rektorin Nicole Arndt ging es vor Ort zunächst um die besondere Lage in Zeiten der Corona-Pandemie. Erneut vernahm Stoch dabei Wünsche an die Kommunikation der Landesregierung: Einschneidende Anordnungen über Schließungen seien teils sehr kurzfristig gekommen. „Das hat uns zum Teil schon ans Limit gebracht“, so Arndt. OB Henle erinnerte seinerseits daran, dass Giengen eine Anordnung zur städtischen Musikschule erst verzögert umsetzen konnte: „Wir mussten uns erst einmal mit allen Partnern abstimmen“.
 
Als etwas realitätsfern bezeichnete Stoch die aktuelle Politik der Erziehungsberechtigten-Briefe zum Schulstart. Nicole Arndt unterstützte ihn: „Ich habe eben auch Eltern, die gar kein Internet und keine Endgeräte zu Hause haben, die erreiche ich nicht so schnell“, so die Rektorin. „Wenn ich zum Schulstart Kinder ohne dieses Papier nicht in die Schule lassen würde, säßen wir vielleicht mit einem Zehntel der Schülerinnen und Schüler da.“
 
Zudem vermisst sie Elterninformationen in Fremdsprachen: „Wenn es um Masern geht, haben wir Briefe in allen erdenklichen Sprachen bekommen, das war toll. Warum gab es das nicht bei Corona? Die Eltern unserer Schülerinnen und Schüler sprechen nun mal häufig kein Deutsch!“ Andreas Stoch kennt das Problem: „Da wird zu oft nur von gutsituierten Haushalten ausgegangen, anstatt sich vor Ort mal ein Bild der Lage zu machen“.
 
Glück habe sie beim Thema Digitalisierung, so Rektorin Arndt: „Wir sind ein junges Team, das sich gut auskennt“. Das genügte OB Henle nicht: „Mir wäre es lieber, wenn es an den Schulen nicht auf mögliches Glück ankommt: Digitalisierung ist enorm wichtig, da braucht es professionelle Unterstützung. Und wir sollten darüber reden, wer das bezahlt!“ Diese Meinung vertrat auch Andreas Stoch: „In Rheinland-Pfalz gibt es eine gute Regelung – dort finanzieren Kommunen und Land diese Unterstützung gemeinsam!“
 
Konkrete Hoffnungen auf die Unterstützung durch den SPD-Landeschef setzen OB Henle und Rektorin Arndt hinsichtlich der Zukunft des Bühlschul-Campus. Arndt, auch kommissarische Leiterin der Jakob-Herbrandt-Schule, möchte die Schule aus dem Bergschulgebäude an die Bühlschule holen: „Wir hätten dadurch enorme Vorteile, könnten Fachräume nutzen und in Fächern wie Sport oder Kunst teils gemeinsamen Unterricht anbieten. Ein großes Kollegium könnte zudem Krankheitsfälle viel besser auffangen.“
 
Bezogen auf zunehmende Einwohnerzahlen in der Südstadt will die Stadt Giengen rund acht Millionen Euro in den Neubau des Pavillon fünf der Schule und weitere Maßnahmen investieren. Auch im Hinblick auf die immer beliebtere Ganztagesbetreuung: Dafür ist ein ordentlicher Personalschlüssel wichtig“, erläuterte Nicole Arndt. „Wenn wir Gruppen mit 50 Kindern haben, droht die Betreuung zur Aufbewahrung zu werden“.
Hilfe vom Land wünscht sich OB Henle nicht nur für den geplanten Ausbau der Schulen in Giengen und seinen Teilorten, sondern auch für den Breitbandausbau – zumal der in Giengen auch den Schulen zugute komme: „Seit Mai haben wir die Zusage vom Bund über 1,2 Millionen Euro, vom Land Baden-Württemberg dagegen keine Botschaft.“ Andreas Stoch will diesbezüglich nachhaken.
 
Beeindruckt ist der SPD-Politiker von den inklusiven Plänen an der Bühlschule, dem Sportkarussell mit den Vereinen, der bestens nachgefragten Mensa und der Schulsozialarbeit (Arndt: „Wer sie mal hat, gibt sie nicht mehr her“). Diesbezüglich sei Giengen weit vorne dabei: „Hier wird vieles getan, umso mehr gäbe es auch in der Schulpolitik zu tun. Leider bildet sich der Systemwandel dort nicht immer ab!“

OB Henle mit SPD-Landtagsabgeordnetem Stoch und Schulleiterin Arndt
Foto: privat