Einladung an alle Bürgerinnen und Bürger

Der erste Eindruck war: Parkplätze rund um die Walter-Schmid-Halle sind Mangelware – der zweite: Der Saal ist voll ... Zum Neujahrsempfang der Stadt Giengen kamen rund 600 Bürgerinnen und Bürger, musikalisch empfangen durch den Musikverein Burgberg unter Leitung von Günter Maier. Stadträtin Maria Konold-Pauli hatte den Bühnenbereich aufwendig geschmückt – für die Engagierten gab es ein herzliches Dankeschön.

Einmal mehr waren Gäste aus den Partnerstädten vor Ort – aus Le Pré St.-Gervais und aus Zeulenroda-Triebes. Der Oberbürgermeister begrüßte sie ebenso wie weitere Ehrengäste, zum Teil verbunden mit Bonmots, und begann dann mit einem Rückblick aufs Sternenkässle 2023 als erstes der vielen guten Beispiele, die an diesem Abend zur Sprache kamen. Denn: „Gute Beispiele“ ist das Jahresmotto 2024 in Giengen, weil, so Henle „gute Beispiele, die Offenheit für andere, die Bereitschaft, Gutes voneinander zu lernen und dabei gemeinsam zu profitieren, eine sinnvolle und menschliche Zukunft voranbringen.“ Sie seien auch ein Bild der Kommunikation und Beteiligung in der Stadt. „Es ist Beteiligung, wie wir sie in Giengen seit Jahren leben: bewusst, offen für alle, einvernehmlich statt konfrontativ.“ Zu den guten Beispielen in Sachen ‚Attraktives Wohnen und Arbeiten‘ (Stern 1) zählen die Projekte Seniorenwohnen in Burgberg, Dorfmitte Burgberg, Radwegenetz, Burgwiesen und ... Innenentwicklung: mit der Folge, dass der erfolgreiche Stelleninhaber dort sich nun auch um die Ärzteversorgung kümmern wird.

Unter Stern 2 – ‚Vorteile für alle in Giengen‘ – betonte Henle bezogen auf die Einkaufssituation, wie sich Unerfreuliches in Überzeugendes verwandeln lässt: Für den kurzfristig verlassenen Supermarkt in der oberen Südstadt steht ein 15-Jahres-Vertrag eines großen Lebensmittelhändlers ante portas. Ähnlich Positives möchte er für die Rehaklinik erreichen: „Unserer Meinung nach zählt eine gute Rehaversorgung Älterer zu den Vorteilen für alle Altersgruppen ... Auch hier bleiben wir dran!“ Er berichtete von den zahlreichen anstehenden Veranstaltungen, davon dass man „in Giengen Träume noch leben kann“ (besonders beim Konzert der Münchener Freiheit am 13. Juni), von weiteren Investitionen in Spielplätze und Schulen. Eine besondere Einladung sprach er zur Verlegung weiterer Stolpersteine am 10. Februar aus.

Im Blick auf die ‚Nachhaltige Innenstadtentwicklung‘ – Stern 3 – beschäftigte sich Henle mit den anstehenden Projekten Stadtmetzgerei, Bäckereicafé, Barfüßer, Burger-Grill, Grabenschule, Müller-Areal, Dienstleistungszentrum, insbesondere aber mit dem Entwicklungstempo an sich: „Es gibt nicht wenige Menschen in unserer Bürgerschaft, die sich fragen, ob das wirklich alles gleichzeitig sein muss? Wie viel Veränderung es für unsere Stadt bedeutet? Und ob wir in der Hand haben, was da passiert? ... Ich kann diese Sorgen sehr gut nachvollziehen. Es braucht viel Vertrauen in die Handelnden, Gemeinschaft in den Prozessen, den Mut, das eigene Vorstellungsvermögen zu öffnen für Gedanken, die man selbst so nicht entwickeln würde, die Entschlossenheit, nicht auf Dauer Baustellen zu wollen, sondern eine zweifellos anstrengende Vielfach-Bauzeit, die wir alle in Giengen gemeinsam mit dem Innenstadthandel tragen – die Augen auf das gerichtet, was in absehbarer Zeit daraus erwächst.“ Er versprach ein überlegtes Agieren aller Verantwortlichen und lud einmal mehr ein: „Begleiten Sie uns in den vielfältigen Beteiligungsprozessen und tragen Sie den Gedanken mit, unsere Innenstadt unter Bewahrung ihrer historischen Aspekte neu, attraktiv und im Sinne unserer Bedürfnisse von heute und morgen zu gestalten ... gemeinsam!“

Unter Stern 4 – ‚Aktive Bürgergesellschaft‘ – wandte er sich zunächst an alle, die sich für die Integration von Menschen aus Kriegs- und Notgebieten einsetzen: „ob ehrenamtlich oder hauptamtlich: in den Kitas, in den Schulen, in unseren Ämtern und an vielen anderen Stellen. Vielen, vielen Dank!“ Danach widmete sich der Oberbürgermeister den anstehenden Wahlen – Europa-, Kommunal- und Kreistagswahl. Dabei empfahl er den Anwesenden dringend, demokratisch zu wählen und unterlegte diese Empfehlung mit zwei Zitaten ... einem von Joseph Goebbels, der 1935 die Wahl von NSDAP-Mitgliedern als einen der besten Witze der Demokratie bezeichnete, weil sie „ihren Todfeinden die Mittel selber stellte, durch die sie vernichtet wurde“, das zweite von Erich Kästner, der mahnt, den Schneeball aufzuhalten, weil die Lawine erst ruht, „wenn sie alles unter sich begraben hat“. Henle sprach auch das Extremistentreffen von AfD und Identitärer Bewegung an, die von ihnen vorgesehene millionenfache Vertreibung ausländischer Mitbürger*innen und das von Björn Höcke bereits vor Jahren postulierte Statement, dass Deutschland unter Führung der AfD „leider ein paar Volksteile verlieren“ werde.

Zum Schluss folgte die kürzer gefasste, weil bereits mehrfach geschilderte sehr positive Entwicklung in Sachen solider Finanzwirtschaft, Digitalisierung und Infrastruktur (Stern 5). Sie mündete in die Erwähnung der HZ-Glosse, in der Redaktionsleiter Marc Hosinner einen Stadtstaat Giengen auf Basis exzellenter Entwicklung und großzügiger Förderungen auch aus den USA vorausgesagt hatte. Laut gut unterrichteter Quellen habe Mark Zuckerberg, so Henle, seine Förderung für Giengen abgesagt. „Ich gebe zu, Förderabsagen sind wir in Giengen nicht gewohnt. Das macht aber nichts, wir bleiben, wenn ich unsere Stadt richtig einschätze, sehr gern ein schwäbisches ‚Städtle‘ mit Potenzial. Trotzdem eine schöne Idee, ich hab geschmunzelt und danke Ihnen dafür!“

Im Anschluss folgten die Ehrungen, unterbrochen durch den Auftritt junger und sehr junger Athletinnen der Sport- und Kulturgemeinschaft Giengen unter Leitung von Anja Schadhauser, der für Bewunderung und neue Energie sorgte. Vor der Ehrung der Feuerwehrkameraden gab es musikalische Unterhaltung: Passend zur Freude der Geehrten präsentierte der Chor „Mir ond mir“ von Liederlust Sachsenhausen und Sängerbund Hürben unter Leitung von Thomas Neumann neben zwei weiteren Stücken einen Teil der „Ode an die Freude“ von Friedrich Schiller.

Nach zweieinhalb Stunden Veranstaltungsdauer folgte der gut besuchte Stehempfang – viele Bürgerinnen und Bürger blieben bis in die späteren Abendstunden. Die Stadt Giengen dankt allen Gästen für ihre Zeit und ihre Mitgestaltung des gemütlichen Ausklangs.

Kinder- und Jugend-Sozialpreise

Verbunden mit einem herzlichen Dank des Oberbürgermeisters an beide Geehrte folgte danach die Vergabe von Kinder- und Jugend-Sozialpreisen: an DLRG-Mitglied Timo Löpenhaus (18 Jahre) für seinen Notfalleinsatz im Bergbad, der einem Menschen das Leben rettete und an Lina Szaszur (10 Jahre), die bereits seit der ersten Klasse in der Schule Frieden stiftet, sich für Schwächere einsetzt, diplomatisch vermittelt und das Schulleben mitgestaltet.

Dankesbriefe

Es folgte die Vergabe von Dankesbriefen: an Anna Morel-Urlich für ihren vielfältigen Einsatz für Menschen in Kriegsgebieten und für Geflüchtete, an die Mitglieder des Partnerschaftskomitees „San Michele di Ganzaria“ – mit speziellem Text und einer Schachtel Zigarren zunächst an Luigi Geraci, danach an die anderen Mitglieder des Komitees: Nicole Arndt, Monika Bader, Jörg Bayer, Martina Bosch, Alexandra Carle, Sara Guglielmino, Marinella Guglielmino, Simone Henle, Martin Hörsch, Bernd Kluge, Susanne Knoll-Roschy, Oswald Satzger, Emma Stegmayer und Gaby Streicher.

Unternehmerisches Engagement

Den weiteren Ehrungen ging jeweils ein lebendig konzipiertes, informatives Video mit verschiedensten Statements voraus. Eine Ehrung für herausragendes gesellschaftliches Engagement erhielt die Firma Tegel-Technik – anlässlich ihrer Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr, des DRK und der DLRG ebenso wie für viele weitere Initiativen. Die Geschwister Nina, Marc und Ralf Tegel nahmen die Ehrung auch in Gedenken an ihren Vater entgegen.

Silberne und Goldene Ehrennadeln

Je eine Silberne Ehrennadel erhielten die Turmbläser Gerhard Fetzer, Wolfgang Frommeyer, Anton Häring, Georg Häberle und Florian Hommel – sie verzaubern die Stadt vom Turm der Stadtkirche aus an jedem Mittwoch kurz nach 12 Uhr auf besondere Weise. Je eine Goldene Ehrennadel für ihr jahrzehntelanges Engagement für die Stadtverschönerung und die Stärkung des Umweltbewusstseins in Giengen verlieh der Oberbürgermeister an Margitta und Helmut Kleber, eine Goldene Ehrennadel für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement als Chorleiter des offenen Liedersingens beim Kinderfest und der Chöre im Gesangverein Liederkranz nahm auch Chorleiter Ulrich Meier entgegen. Eine weitere Goldene Ehrennadel verlieh der Oberbürgermeister an Christine Mack – als Dankeschön für ihr jahrzehntelanges soziales Engagement und ihren beständigen Einsatz mit viel Herzblut für Giengen und die gesamte Giengener Gesellschaft.

Verdiente Feuerwehrleute

Es folgten die Ehrungen verdienter Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr Giengen. Für 15 Jahre aktiven Feuerwehrdienst ehrte der „Oberste Feuerwehrmann“ die Kameraden Hauptfeuerwehrmann Steffen Basler, Einsatzabteilung (EA) Sachsenhausen und Hauptfeuerwehrmann Bastian Zink, EA Hohenmemmingen. Ehrungen für 25 Jahre aktiven Feuerwehrdienst erhielten Oberlöschmeister Jörg Fetzer, EA Sachsenhausen, Hauptfeuerwehrmann Holger Grandel und Oberlöschmeister Martin Roth, beide EA Hohenmemmingen. Für 40 Jahre aktiven Feuerwehrdienst wurden Hauptlöschmeister Ralf Fink, EA Giengen, Löschmeister Stefan Schilk und Löschmeister Wolfgang Weinberger geehrt – beide Mitglieder des Spielmannszuges.

Zu einem späteren Zeitpunkt verliehen werden die Ehrungen von Corinna Schäfer – sie erhält einen Dankesbrief für ihren Einsatz beim Kinderturnen in Hohenmemmingen, und Löschmeister Rudi Frühsammer, EA Burgberg – für 40 Jahre Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr Giengen. Beide konnten nicht am Empfang teilnehmen.