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Besuch beim Zeitzeugen Helmut Bader


Am 10. Mai waren OB Dieter Henle und Dr. Michael Benz zu Besuch beim Zeitzeugen Helmut Bader. Dessen Vater, der einstige Schuhmachermeister Martin Bader, war – zuvor wegen einer Parkinson-Erkrankung in der Heil- und Pflegeanstalt Schussenried untergebracht – am 14. Juni 1940 im Alter von 39 Jahren von den Nazis ermordet worden. Seine Frau erhielt einen Brief, in dem stand, ihr Mann sei an einem Hirnschlag gestorben, der Tod sei eine Erlösung für ihn gewesen. Das offizielle Todesdatum vom 26. Juni 1940 ist falsch, die Nazis wollten einen zeitlichen Zusammenhang zwischen seiner „Verlegung“ von Schussenried nach Grafeneck und seinem Tod vermeiden.

Helmut Bader, heute 90 Jahre alt, kann sich an den Tag, als der Brief ankam, gut erinnern. „Ich spielte auf der Straße an der Schranne, als die Mutter laut schrie“, erzählt er seinen Besuchern. Später meinte sie, da könne etwas nicht stimmen. Die Kleider habe sie nicht erhalten, es hieß, sie seien bei der Desinfektion unbrauchbar geworden. Zu den Original-Dokumenten im Besitz Helmut Baders zählen das Tagebuch seines Vaters, seine bedrückend wirkenden Briefe aus der Klinik und sein Wirtschaftsbuch.

Helmut Bader hatte die Stadt um Unterstützung bei der Aufklärung des tatsächlichen Todesdatums seines Vaters gebeten. Dr. Michael Benz hatte sich mit der Gedenkstätte Grafeneck in Verbindung gesetzt und von dort die Bestätigung erhalten, dass das wahre Todesdatum von Martin Bader der 14. Juni 1940 und nicht der 26. Juni ist. Von dort wurde bestätigt, dass „die ankommenden Menschen in Grafeneck direkt nach der Ankunft von einem der leitenden Ärzte untersucht und direkt im Anschluss in einer Gaskammer ermordet wurden.“ Nun möchte er den Todeszeitpunkt per Gerichtsentscheid amtlich bestimmen und damit berichtigen lassen: „Diese Richtigstellung wäre die letzte Ehre, die ich ihm erweisen kann.“ Der Oberbürgermeister versprach: „Ich spreche mit dem Amtsgericht, um Ihren Antrag auf Berichtigung des Personenstandsregisters durch gerichtliche Entscheidung des Todeszeitpunktes zu unterstützen.“

Bereits seit Ende 2022 ist auf einem Stolperstein vor dem Haus „Am Kirchplatz 5“ zu lesen: „Hier wohnte Martin Bader, Jg. 1901, eingewiesen 1938, Heilanstalt Schussenried, ‚verlegt‘ 14.6.1940, Grafeneck ermordet 14.6.1940, Aktion T4“. Helmut Bader, Dr. Michael Benz und OB Dieter Henle hatten sich bereits bei der Stolpersteinverlegung zum Treffen in Schwäbisch Gmünd vereinbart, um die wichtigen Dokumente zu sichten. Dabei wurden auch Erinnerungen an Personen und Gebäude in Giengen ausgetauscht.

Zum Thema gibt es ein Video des WDR.

OB Dieter Henle, Dr. Michael Benz und Werner BaderSpurensuche zu Ehren von Martin Bader (von links): OB Dieter Henle, Dr. Michael Benz und Helmut Bader